Am 3. Juli 2023 betrat der 17-jährige Enes Cakir das erste Mal die Kaserne der Bundeswehr in Rennerod, um seine 12-monatige Ausbildung zum Sanitätssoldaten anzufangen. Am 19. Juli – zwei Wochen nach Beginn seiner Ausbildung – stirbt Enes.
Am 9. Juli berichtet Enes erstmalig von Beschwerden wie Herzstolpern und größeren Schwächeanfällen. Einen Tag später wird er in einem Krankenhaus mit Vorhofflimmern diagnostiziert, einer Herzrhythmusstörung, die gerade bei jungen Menschen äußerst selten auftritt.
Trotz unzähliger Gespräche, Textnachrichten und Telefonate zwischen Enes, der Familie und den Truppenärzten betont die Bundeswehr immer wieder die Diensttauglichkeit Enes’, lässt ihn marschieren und spielt seine Krankheit herunter.
Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Er beklagt sich über starke Kopfschmerzen, Husten und Schmerzen in der linken Körperhälfte. Am 18. Juli wird Enes erneut dem ärztlichen Personal der Bundeswehr vorgestellt, welche jedoch nach eigenen Worten kein Handlungsbedarf sehen würden.
Einen Tag später, am 19. Juli, betritt Enes’ Familie sein Zimmer und finden ihn tot in seinem Schreibtischstuhl auf. Der Tod ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine Hirnblutung zurückzuführen, eine bekannte Nebenwirkung des Blutverdünnungsmedikaments, was Enes wegen des Vorhofflimmerns verschrieben bekommen hat und von dem auch die Truppenärzte wussten.
Das wahre Gesicht der Bundeswehr
Bis heute bestreitet die Bundeswehr, sich fahrlässig verhalten oder Fehler begangen zu haben. RTL-Reportern gegenüber stellte der behandelnde Truppenarzt überhaupt in Frage, wann er jemals Fehler begangen haben soll in seiner jahrzehntelangen Karriere.
Mit der Motivation, etwas Gutes zu tun und anderen zu helfen, hat Enes sich schnell der bitteren Realität in der Bundeswehr bewusst werden müssen.
Die Bundeswehr ist nicht das, was sie vorgibt zu sein. Seien es die breit aufgefahrenen Social-Media-Kampagnen, die gestiegene Anzahl von Jugendoffizieren an unseren Schulen oder die tausenden Musterungsbriefe. Wir sind von Rekrutierungsversuchen und Bundeswehrpropaganda umzingelt. Die Regierung setzt alles daran, Jugendliche für den Kriegsdienst zu begeistern und ihr Leben für außenpolitische Interessen der BRD, Handelswege, Ressourcen und die Profite der Reichen zu lassen.
Dabei entstellt sie die Realität, die in der Bundeswehr herrscht. Von gewaltvollen Aufnahmeritualen, von Faschist:innen durchzogene Netzwerke innerhalb der Bundeswehr, patriarchalen Gewaltfällen die von Vorgesetzten zum Schutz der Täter unter den Tisch gekehrt werden oder Geschichten wie die von Enes. Sie alle zeigen uns: Die Bundeswehr schert sich nicht um uns, unser Leben, unsere Zukunft oder Interessen. Sie bietet uns keine Perspektive, sondern nimmt sie uns. Es soll gehorcht, Befehle befolgt und die eigenen Bedürfnisse, das eigene Leben vollständig der Kriegstüchtigkeit untergeordnet werden.
Gerechtigkeit für Enes!
Am 19. Juli erinnern wir an Enes Cakir und seine Geschichte. An einen Jugendlichen mit Hoffnung, Zielen und einer Zukunft. Eine Zukunft, die ihm, seiner Familie und seinen Freunden genommen wurde.
Enes zu gedenken, heißt seine Geschichte zu erzählen. Es heißt das wahre Wesen der Bundeswehr als rücksichtslose Kriegsmaschinerie zu entlarven und die Versuche der Bundesregierung, die „stärkste konventionelle Armee Europas“ aufzubauen, zu verhindern.
Enes zu gedenken heißt als Jugendliche zusammen zu kommen und denjenigen, die für seinen Tod verantwortlich sind, keine Ruhe zu lassen, den Kampf anzusagen und ihre Ziele, die Jugend durch den Fleischwolf zu jagen, zu durchkreuzen!
Wir fordern Gerechtigkeit für Enes und seine Familie!
Nein zur Wehrpflicht, Nein zur Musterung, Nein zur Bundeswehr, Nein zur Kriegstüchtigkeit!
Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!





