Positionspapiere

Kapitalismus

Als offene antikapitalistische Jugendgruppe müssen wir uns erklären, wieso wir die kapitalistische Produktionsweise ablehnen.
Es ist absolut notwendig, sich mit dem weltweit herrschenden Wirtschaftssystem zu beschäftigen. Bei genauerem Betrachten beeinflusst die Art zu produzieren, unsere Leben und unsere Umwelt auf sehr vielen Ebenen
Es entsteht alles aus einer Notwendigkeit heraus – die durchschnittliche Arbeiterin steht morgens nicht aus eigener Motivation heraus auf, um dann 8 Stunden Schichtarbeit zu machen, sondern weil sie Geld verdienen muss, um zu überleben.
Schüler:innen gehen nicht zur Schule, um dort ihre Gedanken und Persönlichkeit in gesundem Tempo entwickeln zu können, sondern um auf ihre künftige Lohnarbeit vorbereitet und möglichst zu funktionstüchtig gemacht zu werden.

Menschen sind im Kapitalismus objektiv nicht frei in ihrem Handeln, sondern unterliegen
ökonomischen Zwängen. Daher ist es wichtig zu wissen, was der Kapitalismus ist und wie er funktioniert.
Der Kapitalismus ist eine Produktionsweise. Unter Produktionsweisen versteht man die Art und Weise, wie Menschen zusammen auf Rohstoffe, die Natur, Maschinen und Werkzeuge einwirken, um Güter zu produzieren. Gerade bei der Gerechtigkeitsfrage ist es notwendig sich anzuschauen, in welchem Verhältnis sie dabei zueinander und zu den Produktionsmitteln stehen. Der Kapitalismus ist allerdings nicht die erste und nicht die einzige Produktionsweise, die es in der Geschichte der Menschheit gab. Feudalismus, Sklavenhaltertum, sowie Urkommunismus sind Produktionsweisen, die ihm vorausgingen.

Worin unterscheidet sich nun der Kapitalismus von den anderen genannten Produktionsweisen? Im Kapitalismus wird alles zur Ware: Das heißt (beinahe) alle Güter, die für uns zu gebrauchen sind, sind zum Austausch bestimmt. Selbst die menschliche Arbeitskraft wird zur Ware. Dementsprechend müssen die meisten Menschen im Kapitalismus ihre Arbeitskraft verkaufen, um zu überleben. Sie sind somit Arbeiter:innen.
Nur eine kleine Gruppe von Menschen im Kapitalismus besitzt Produktionsmittel und muss ihre Arbeitskraft nicht verkaufen. Sie werden als Kapitalist:innen bezeichnet.
Kapitalist:innen leben davon, dass sie die Arbeitskraft der Arbeiter:innen gewinnbringend einsetzen. Doch wie funktioniert das?
Waren tauschen sich im Kapitalismus entsprechend ihres Werts aus. Der Wert einer Ware bestimmt sich nach der Arbeitszeit, die gesellschaftlich notwendig ist, um die Ware zu produzieren. Dies gilt auch für die Ware Arbeitskraft. Ihr Wert bestimmt sich nach dem Wert der Waren, die nötig sind die Arbeiter:innen am Leben zu halten und nach einem Arbeitstag ihre Arbeitskraft wieder herzustellen.

Stellen wir uns nun einen Kapitalisten vor, der Profit machen will. Er stellt also eine Arbeiter:in ein und gibt ihr:ihm einen Lohn. Das heißt: Er kauft ihre Arbeitskraft. Die Höhe des Lohns bestimmt sich nach dem Wert der Ware Arbeitskraft. Nun kann er die Arbeiter:in arbeiten und Waren produzieren lassen. Diese Waren müssen nun einen höheren Wert also die Arbeitskraft haben.
Die Differenz zwischen dem Wert der produzierten Ware und dem Wert der Ware Arbeitskraft ist der sogenannte Mehrwert, die Quelle allen Profits der Kapitalist:innen.

Im Kapitalismus kann es keine Lohnarbeit ohne Ausbeutung geben.
Die Arbeiter:innen bekommen stets nur einen Teil des Wertes der Waren, die sie produzieren, während der aller größte Teil des produzierten Wertes, als Mehrwert in die Taschen der Kapitalist:innen wandert. Da diese jedoch im ständigen Wettbewerb untereinander stehen, müssen sie den Mehrwert, ihre Profite, ständig steigern.

Dies kann nur über zwei Wege geschehen:
Erstens, in dem die Produktion ständig ausgeweitet wird, wodurch in letzter Konsequenz die Natur rücksichtslos zerstört wird, Ressourcen ausgebeutet werden und die Produktion die Bedürfnisse der Menschen unberücksichtigt lässt.

Zweitens, indem Arbeitsbedingungen verschlechtert, Löhne gekürzt oder das Arbeitstempo oder die Arbeitszeit erhöht werden.
Zudem kommt es im Kapitalismus immer wieder zu Wirtschaftskrisen, sog. Überproduktionskrisen. Die Kapitalist:innen versuchen in solchen Wirtschaftskrisen, ihre Profite zu behalten bzw. zu steigern, wodurch die Arbeiter:innen mit Entlassungen und verschlechterten Arbeitsbedingungen hinhalten müssen. Tarifverhandlungen führen dann oft zu keiner Lohnsteigerung, sondern infolge der stetigen Inflation faktisch zu Lohnverringerungen. Besonders die Jugend ist unverhältnismäßig stark von solchen immer wieder vorkommenden Wirtschaftskrisen betroffen.

Die kapitalistische Produktionsweise ist also schon in ihren Grundzügen ein unterdrückendes System, das nur durch ständige Ausbeutung der Arbeiter:innen und der Natur funktionieren kann. Der Kapitalismus ist allerdings weder die erste, noch die letzte Produktionsweise der menschlichen Geschichte und wir sollten dafür kämpfen, dass er von einer ressourcenschonender Produktionsweise abgelöst wird, die nicht auf der Ausbeutung der Arbeiter:innen und der Profitmaximierung der Kapitalist:innen basiert. Nicht das Interesse einer kleinen Gruppe von Menschen sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Bedürfnisse der großen Mehrheit!