Am Morgen des 27. Juni 2023 wurde der 17-jährige algerisch-stämmige Nahel M. in Nanterre bei einer Verkehrskontrolle von der Polizei erschossen. Angefangen in den Pariser Vororten, gingen daraufhin in ganz Frankreich hunderttausende Menschen auf die Straße, um Gerechtigkeit für Nahel zu fordern.

Dabei kam es vielerorts zu Aufständen – man lieferte sich Straßenkämpfe mit der Polizei, es wurden Geschäfte geplündert und in vereinzelten Orten sogar Rathäuser und andere staatliche Institutionen in Brand gesteckt. Besonders migrantische Jugendliche verliehen ihrer Wut über den Mord an Nahel Ausdruck. Die meisten kannten Nahel nicht und trotzdem konnten sie sich genau in seine Lage hineinversetzen.

Rassismus ist Teil des Systems

Auch heute noch unterdrückt der Staat systematisch Menschen, die nicht dem französischen „Ideal“ entsprechen. So bekommen besonders nicht-konforme Jugendliche mit Migrationshintergrund die Wut des französischen Staates deutlich zu spüren. Sie werden als Sündenböcke für viele Probleme innerhalb der französischen Gesellschaft abgestempelt.

Dieser Rassismus entlud sich dann auch an jenem Morgen im Pariser Vorort Nanterre. Nahel wurde wegen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis kontrolliert – im Zuge dessen erschoss ihn ein Polizist. In keiner Welt ist diese Situation verhältnismäßig und gerechtfertigt. Und trotzdem sind solche Situationen keine Seltenheit in Frankreich und dessen Geschichte. Denn der französische Staat ist eben nun mal bis heute einer der aggressivsten imperialistischer Räuber und nutzt Rassismus, um seine koloniale Politik zu rechtfertigen.

Internationale Verbindung der Aufstände

Neben europäischen Nachbarländern wie Belgien kam es ab dem 29. Juni in vielen französischen Kolonien zu Unruhen, die an die Proteste in Europa anknüpften. In der Hauptstadt von Französisch-Guayana in Südamerika legten Demonstrierende Feuer in verschiedenen Vierteln. Polizist:innen setzten Tränengas ein, um die Menschenmenge zu kontrollieren. Als Folge wurden der öffentliche Nahverkehr und der Benzinverkauf in der Nacht eingestellt.

Auch in der „französischen“ Karibik kam es zu kleineren Protesten in Guadeloupe und Martinique. In Fort-de-France, Le Carbet und Le Robert setzten Protestierende Mülltonnen und Autos in Brand. In den überseeischen Departements wie La Réunion im indischen Ozean griffen Menschen bei Protesten Gebäude an, legten mehr als 70 Brände und warfen Gegenstände auf die Polizei.

Die Wut der Menschen auf das rassistische System blieb also keineswegs auf Frankreich beschränkt, sondern schwappte auf andere Teile der Welt über – besonders eben in diese, die seit über 100 Jahren von der französischen Kolonialmacht ausgebeutet und unterdrückt werden.

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