Zum Tag der Befreiung von Auschwitz haben wir in Freiburg einen antifaschistischen Stadtrundgang veranstaltet.

Dabei haben wir verschiedene Inputs über die Verfolgung von jüdischen Menschen in Freiburg, den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion, den Widerstand von Kommunist:innen in Deutschland und die heutige Notwendigkeit eines internationalistischen Kampfs gegen den Faschismus gehört.

Unterwegs haben wir Stolpersteine in der Freiburger Innenstadt geputzt, um das Gedenken an die Opfer des Holocaust nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Hier findet ihr den letzten Redebeitrag zum internationalistischen Kampf gegen den Faschismus:

Bedrohung des Faschismus heute und die Rolle des Internationalismus

Auf den bisherigen Stationen haben wir gehört, welche Zerstörung der Faschismus angerichtet hat. Heute sehen wir, dass der Faschismus in ganz Europa und auch in anderen Teilen der Welt wieder an Stärke gewinnt. In Deutschland ist die AfD in Umfragen bei teils über 30 Prozent. In Italien führt die Faschistin Meloni die Regierung an.

Faschismus und Patriarchat

Interessant zu beobachten ist dabei eine Flexibilität des Faschismus. Nicht nur in Italien, sondern auch hier in Deutschland ist mit Alice Weidel eine Frau an der Spitze der faschistischen Partei. Und das obwohl dem Faschismus eine zutiefst patriarchale Ideologie innewohnt.

Das ist auch kein Zufall, denn gerade in Zeiten von Krieg und Krise ist die Arbeitsteilung nach Geschlecht besonders wichtig. Die Reproduktionsarbeit wird zu einem noch größeren Teil ins Private verlagert, wo die Frau möglichst viele Kinder gebären und erziehen soll, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Die Ideologie des Faschismus versucht dabei an den autoritär-patriarchalen Charakter der Menschen anzuknüpfen – damals wie heute. Dieser wird in der bürgerlichen Kleinfamilie herangezüchtet: durch emotionale Distanz zu den Eltern, körperliche Züchtigung und patriarchale bis hin zu sexualisierter Gewalt. Die entstehende Persönlichkeit ist gekennzeichnet durch die Verinnerlichung der Gewalt in der Familie; durch die Furcht vor der Macht und den Drang, selbst Macht auszuüben; durch die Unterdrückung der eigenen Sexualität; durch Ängstlichkeit, Irrationalität, Anfälligkeit für Religiosität und Mystik und die Neigung zum unkontrollierten emotionalen Ausbruch; durch die Anbetung starker Männer und die Tendenz zum eigenen Größenwahn.

Die wichtige Rolle der bürgerlichen Kleinfamilie und monogamen Ehe drückte sich auch in der brutalen Verfolgung von Homosexuellen im Hitlerfaschismus aus. Tausende wurden in Konzentrationslager deportiert und erdmordet.

Rassismus und Kolonialismus

Aber nicht nur das Patriarchat stellt eine wichtige Stütze des Faschismus dar. Auch der Rassismus wird genutzt, um die eigene imperialistische Politik voranzutreiben und die Arbeiter:innenklasse im Innern gegeneinander aufzuhetzen. Damals waren die Jüd:innen das zentrale Feindbild der Faschisten. Auch heute spielt der Antisemitismus eine große Rolle in der Ideologie des Faschismus, besonders in mystischen Erzählungen über eine jüdische Weltverschwörung.

Damals wurde versucht, die Arbeiter:innen davon zu überzeugen, dass der Feind nicht im eigenen Land steht. Im ersten Weltkrieg war es der Burgfrieden, der eine Einheit zwischen den Arbeiter:innen und Kapitalist:innen propagierte. Im zweiten Weltkrieg nutzte der Faschismus eine ähnliche Strategie und versuchte die Ursache für die Verarmung der Arbeiter:innenklasse durch die kapitalistische Wirtschaftskrise auf Jüd:innen zu schieben. Dem entgegen wurde dann eine Einheit zwischen deutschen Arbeiter:innen und Kapitalist:innen gestellt.

Mit rassistischer Ideologie wurde der Herrschaftsanspruch Deutschlands legitimiert und unter anderem der Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion begründet. Heute sehen wir ebenso, wie der Rassismus genutzt wird, um die eigenen Kriege zu legitimieren. Sei es in Afghanistan, Irak oder ganz aktuell in Gaza. Der israelische Kriegsminister Yoav Gallant sagte beispielsweise: „Wir kämpfen gegen menschliche Tiere und handeln dementsprechend.“

Hier in Deutschland sehen wir nicht nur jedes Jahr zu Silvester eine rassistische Kampagne der bürgerlichen Politiker:innen und Medien. Regelmäßig wird beispielsweise bei der Diskussion um sexualisierte Gewalt das Problem auf migrantische Menschen geschoben, obwohl das Problem nicht in der Herkunft liegt, sondern im Patriarchat: denn die Täter sind fast ausschließlich Männer.

Auch im Zuge des Genozids in Gaza und dem Widerstand hier in Deutschland wurde eine rassistische Hetzkampagne nach der anderen gestartet. Doch dies geht nicht nur von der AfD und anderen faschistischen Kräften aus, sondern auch von CDU, FDP, SPD, Grüne, die eine rassistische Asyl- und Abschiebepolitik forcieren. Sogar Teile der Linkspartei springen auf diesen Zug auf und fordern eine repressivere Migrationspolitik.

Widerstand organisieren

Der Faschismus stellt auch heute eine riesige Bedrohung für uns dar. Bei der letzten Station haben wir aber auch gehört, welchen Widerstand es in der Vergangeheit gab. Der Widerstand der Kommunist:innen gegen Nationalismus, imperialistische Kriege und koloniale Ausbeutung begann aber nicht erst in den 30er Jahren. Auch im ersten Weltkrieg leisteten Kommunist:innen konsequenten Widerstand gegen die Kriegspolitik Deutschlands. Unter anderem auch Rosa Luxemburg, die 1914 hier im Stadtgarten eine Rede gegen die Kriegsvorbereitungen hielt.

Etwa 4 Jahre später gründete sie mit Karl Liebknecht die Kommunistische Partei Deutschlands. Dafür wurden beide jedoch wenige Wochen später auf Befehl eines SPD-Politikers durch faschistische Freikorps hingerichtet. Doch die KPD führte den Kampf weiter bis sie 1933 durch die NSDAP zerschlagen wurde. Doch auch das hielt die Kommunist:innen nicht davon ab, weiter konsequenten und organisierten Widerstand zu leisten.

Auch heute stehen wir vor der Aufgabe uns organisiert gegen den Faschismus zu stellen. Nach Bekanntwerden der Deportationspläne der AfD sind in den letzten Wochen in Deutschland hunderttausende Menschen für eine demokratische Gesellschaft auf die Straße gegangen. Allerdings sehen wir dort auch, dass keinerlei Einheit in der Fragen besteht, wie wir den Faschismus bekämpfen. Parteien wie die CDU, FDP, SPD und Grüne organisieren die Demonstrationen teilweise selbst mit, obwohl sie in der Regierung eine rassistische Migrationspolitik vorantreiben.

Was wir heute brauchen ist eine organisierte klassenkämpferische Bewegung, die sich gegen den Faschismus aber auch gegen die bürgerliche Politik stellt, die selbst den Kapitalismus und die ihm innewohnenden Krisen und Kriege aufrechterhält. Als Internationale Jugend schließen wir uns deshalb in unseren Schulen zusammen und organiseren uns mit unseren Mitschüler:innen, indem wir die Schule zu einem politischen Kampffeld machen.

Deshalb haben wir Mitte Januar auch eine Kampagne gestartet, mit der wir aufzeigen wollen, dass die Grenze in unserer Gesellschaft nicht zwischen Deutschen und Migrant:innen oder Europa und dem Rest der Welt verläuft. Sondern dass die Grenze zwischen unten und oben, zwischen arm und reich, zwischen Arbeiter:innen und Kapitalist:innen verläuft.