Ob durch Kleiderordnungen, Kommentare oder Nötigungen – für viele Schülerinnen sind patriarchale Verhaltensweisen bis hin zur Gewalt bereits früh in der Schule Teil des Alltags. Beispiele darüber, wie bereits junge Frauen und Mädchen patriarchalen Verhaltensweisen oder Gewalt ausgesetzt sind, gibt es zu genüge.

Nicht nur in der Klasse von den männlichen Mitschülern, sondern vor allem auch von Lehrern, die ihre Machtposition ausnutzen und Mädchen und junge Frauen sexualisieren oder sich übergriffig verhalten. Wenn Schülerinnen sich zur Wehr setzen, wird ihnen mit schlechten Noten gedroht, ihre Erfahrungen werden heruntergespielt oder die Täter fangen an die Schülerinnen verbal einzuschüchtern. Gesprochen wird dann aber davon, dass Lehrer:innen durch freizügige Kleidung abgelenkt werden oder dass sexistische Kommentare doch nur Teil einer pubertären Phase wären.Versuche sich zu wehren von Seiten der betroffenen Schülerinnen laufen in größten Teilen ins Leere.

Frauensolidarität statt Täterschutz

Die Personen werden mit ihren Erfahrungen allein gelassen und die Schuld landet bei den jungen Frauen selbst. Wie in jedem anderen Bereich der Gesellschaft, wird auch an Schulen die Frage der Schuld der Frau angelastet: Also etwa „Was hatte die Schülerin an? Wie hat sie sich verhalten?“

Dabei zeigt sich ein klares Muster: Die Täter werden nicht zur Rechenschaft gezogen, sondern gedeckt und allerhöchstens versetzt. In den allermeisten Fällen passiert jedoch einfach nichts. Deutlich wird zudem das Machtverhältnis, das aktiv ausgenutzt wird um Schülerinnen einer besonderen Unterdrückung auszusetzen.

Es sind die Schulen selbst, die diese Verhalten durch ihr aktives Weggucken, bis hin zum Vertuschen unterstützen. Das gehört, wie der restliche Teil der Schulzeit, auch zu der allgemeinen „Ausbildung“ zu einer hörigen Arbeiterin, die dem kapitalistischen System später nutzen soll.

Gegen das patriarchal-kapitalistische System

Die Schulen sind der Ort, an dem junge Menschen auf ihr späteres Arbeitsleben vorbereitet werden sollen. Das heißt, wir werden dazu erzogen Autoritäten zu gehorchen und uns einer Reihe an Regeln zu beugen. Konkurrenz wird durch Notendruck gefördert und uns wird die kapitalistische Ideologie ungefiltert eingetrichtert. Wir sollen uns zu hörigen Arbeiter:innen entwickeln. Die Zukunftsperspektiven sind klar: nach der Schule sollen wir eine Ausbildung oder ein Studium abschließen, dann beginnen zu arbeiten und in einer bürgerlichen Kleinfamilie die nächste Generation heranziehen.

Als jungen Schülerinnen wird uns bewusst an diesem Ort auch gezeigt, wie die Rolle der Frau im System des Kapitalismus auszusehen hat. Dafür nutzt die Schule genau diese patriarchalen Verhaltensweisen. Es ist also kein Zufall, dass der „etwas übergriffige Sportlehrer“ an so vielen Schulen ein Begriff ist oder dass über sexistische Kleiderordnungen gesprochen wird.

Nur gemeinsam können wir uns wehren

Umso deutlicher wird sichtbar, egal in welcher Lebenssituation wir uns befinden: Wir müssen dem Patriarchat den Kampf ansagen. In den Schulen bedeutet das, der vorherrschenden Konkurrenz unsere stärkste Waffe entgegenzusetzen – die Frauensolidarität. Denn während gerade in der Schule versucht wird, uns zu spalten und zu Einzelkämpfer:innen zu erziehen, liegt genau in unserer Masse die Macht, um all dem etwas entgegen zu setzen. Lasst uns die Frauensolidarität deshalb auch an den Schulen zum Leben erwecken, am 25.11. dem Tag gegen Gewalt an Frauen und an jedem anderen Tag!