Fast ein halbes Jahr ist es her, dass der Leiharbeiter Refat Süleyman unter ungeklärten Umständen auf dem Werk von ThyssenKrupp Steel in Duisburg gestorben ist. Damals wie heute gibt es viele offene Fragen, wie der Verein Stolipinovo in Europa damals formulierte:

  • „Warum wird Refat bereits am zweiten Tag des Arbeitsvertragsbeginns beauftragt, ein Becken mit Industrieschlacke zu reinigen – eine Tätigkeit, die mit erhöhter Gefahr verbunden ist?
  • Warum hat er diese Aufgabe allein und ohne Aufsicht seines unmittelbaren Vorgesetzten ausgeführt?
  • Hat Refat die notwendige Einweisung in die Arbeit in einer gefährlichen Umgebung durchlaufen, bevor er mit der Reinigung beauftragt wurde?
  • Warum behaupteten die örtlichen Behörden und der Arbeitgeber zunächst, dass Refat als Generalarbeiter für das Anbringen von Verkehrszeichen auf der Baustelle eingestellt wurde?
  • Gibt es eine Diskrepanz zwischen der im Vertrag beschriebenen Arbeitsspezifikation und den tatsächlichen Arbeitsaktivitäten, die der Arbeitnehmer durchgeführt hat?”

Weil Antworten auf all das Fehlen beteiligten wir uns an der gestrigen Demo von etwa 200 Angehörigen, Kolleg:innen und solidarischen Menschen zur Duisburger Staatsanwaltschaft.

Angebliche „Arbeitsunfälle“, vor allem von migrantischen Leiharbeiter:innen, sind kein Einzelfall sondern Produkt der kapitalistischen Profitjagd. Wenige Tage nach dem Todesfall formulierten wir in einen Redbeitrag: “

Auf Arbeit zu sterben, das kennt man aus dem Fernsehen, das passiert in irgendwelchen weitentfernten Ländern, so scheint es.

Die Realität sieht aber anders aus. Allein letztes Jahr gab es 510 tödliche Arbeitsunfälle in Deutschland. Führend dabei sind vor allem das Baugewerbe und Abfallentsorgung.
Und das ist auch nicht verwunderlich: Woche für Woche muss man dort mit schweren Maschinen arbeiten, in Gräben und teilweise mit gefährlichen Chemikalien. Eine 40 Stunden Woche gibt es vielleicht auf dem Papier, die Realität ist aber weit davon entfernt. Das Überstundenkonto soll gefälligst voll sein und die Fahrt zurück zum Betrieb wird einem nicht als Arbeitszeit angerechnet. So kommen oft gut 10 Stunden am Tag zusammen, fünf bis sechs Tage die Woche und nach oben ist dabei noch einiges an Luft. Dazu kommt dann noch der Druck von oben, es muss alles schneller gehen. Für Arbeitsschutzmaßnahmen ist da keine Zeit mehr, sofern der Betrieb überhaupt die dafür notwendigen Materialien besitzt. Da steht man dann auch

mal in einen zwei Meter tiefen ungesicherten Graben, weil der Chef meint es passiert schon nichts und für den einen Tag ist es eben unwirtschaftlich das ganze Zeug ranzukarren. Man kann ja schon froh sein, wenn die Pritsche mit der man rumfährt noch gültigen TÜV hat. Die kaputte Maschine funktioniert ja auch doch noch irgendwie und man soll sich nicht so anstellen. Wenn dann etwas passiert ist man eh selber Schuld, man hat ja eine Einweisung bekommen und man hätte wissen müssen, dass man damit nicht mehr arbeiten darf.

Gehen wir weg von der Baustelle und hin zu Bürojobs, hat man zwar wohl weniger Probleme mit Verschüttungen, abgeschnittenen Gliedmaßen, Brüchen und ähnlichem, aber keine Sorge, auch hier bekommt man sein Fett weg. Stress und psychischer Druck von Vorgesetzten gehören zum Alltag und setzen beste Vorraussetzungen für Herzinfarkte. In Deutschland sterben jährlich hunderte an solchen Folgen von Überarbeitung.

Dazu kommen psychische Probleme, so hat sich die Zahl der BurnOut-Erkrankungen in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.“

Organisiert euch mit uns gegen kapitalistische Ausbeutung!

Offene Treffen: jeden zweiten Donnerstag // 18:00 // Soziales Zentrum Philipp Müller (Holzstraße 12, Essen nähe Rheinischer Platz)