Wir lassen uns nicht spalten – Gemeinsam organisiert Rassismus und Kapitalismus bekämpfen!

Struktureller Rassismus

Die Protestwelle nach dem Tod von George Floyd in Minneapolis hat die ganzen USA aber auch viele andere Länder erfasst. Auch in Deutschland gab es Proteste und eine neu entfachte Debatte. Auf den #blacklivesmatter Demonstrationen in Berlin und Hamburg haben wir wieder mal gesehen, wie die Polizei gezielt migrantische Menschen schikaniert und Gewalt gegen sie ausübt. Unzählige andere „Einzelfälle“ zeigen, dass besonders die Behörden der BRD von Rechten und Rassist*innen durchsetzt sind. Auch im KSK, dem Bundesverfassungsschutz und verschiedenen Polizeibehörden sind Rechte beinahe ungestört aktiv. Sie sind verwickelt in die NSU Morde, stehlen Waffen, teilen rassistische Witze in Chats und betreiben racial profiling. Dabei verdächtigen, kontrollieren und schikanieren Polizist*innen Menschen aufgrund ihrer (vermeintlichen) Herkunft oder Religion. Das alles sind keine Einzelfälle, sondern systematischer Rassismus in Deutschland.

Woher kommt Rassismus?

Wenn wir Rassismus bekämpfen, sollten wir uns anschauen, woher er überhaupt kommt.Oft wird behauptet, Rassismus gäbe es schon seit der frühen Menschheitsgeschichte und läge uns „im Blut“. Genauso gängig ist die Annahme, Rassismus wäre eine spontane Reaktion der Menschen auf Fremdheit, Zuwanderung oder ähnlichem. In Wahrheit bedeutet Rassismus Ideologien, die den Interessen der herrschenden Klasse einer Gesellschaft entsprechen. Diese Ideologien haben somit einen historischen Entstehungszeitpunkt.

Die Entstehung des modernen Rassismus gegen BIPoC (Blacks, Indigenous, People of Colour) fällt mit dem Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus in Europa zusammen. Der neu entstehende Kapitalismus gab mit seinem ständigen Streben nach Wachstum, Rohstoffquellen, Absatzmärkten und billigen Arbeitskräften den Anlass zur sogenannten „Entdeckung der neuen Welt“. Dieser euphemistische Propagandabegriff bedeutete in Wirklichkeit Kolonialismus, Genozide und Sklaverei für Millionen von Menschen in Asien, Afrika, Ozeanien und Amerika. Damit bildete er die Basis des modernen Rassismus.

Ab ca. 1500 begann der atlantische Sklavenhandel. Europäische Sklavenhändler entführten und versklavten während diesem schätzungsweise 12 Millionen Afrikaner*innen und verschleppten sie nach Amerika. Das entwickelte sich zum großen Geschäft und Triebfaktor für den Kapitalismus. Dieses menschenverachtende Verbrechen stand im unübersehbaren Widerspruch zu den aufkommenden bürgerlichen Ideen der Gleichheit und Freiheit aller Menschen. Um die Sklaverei dennoch rechtfertigen zu können, wurden Theorien über die Unterlegenheit der Schwarzen Menschen verbreitet. Sie kamen von europäischen Handelsgesellschaften und weißen amerikanischen Plantagenbesitzenden. Um ihre Wirtschaftsinteressen zu sichern, haben diese also die Ideologie des antischwarzen Rassismus in die Welt gesetzt.

Wenn wir nach dem Ursprung des Rassismus suchen, dürfen wir nicht nur beobachten, wer rassistische Meinungen vertritt, sondern auch wer sie macht.

Rassismus und Kapitalismus

Die Gestalt und Form des Rassismus haben sich in den Jahrhunderten gewandelt.  Rassismus kommt von oben, aber wird auch von unten aufgegriffen. Er hat sich zu einer breiten Ideologie entwickelt, die von verschiedenen Akteuren verbreitet und bekämpft wird.

Das ändert aber nichts daran, dass die Kapitalist*innen rassistische Ideologie noch immer verbreiten und davon profitieren. Dafür nutzen sie die Medien, Bildungsinstitutionen und Kulturproduktion. Ein bekanntes Beispiel ist Samuel Huntington. Ein Ökonom, der den unvermeidlichen „Kampf der Kulturen“ voraussagt. Diese rassistische Hetze wird auch an deutschen Schulen gelesen und als legitime Meinung dargestellt. Als Thilo Sarazzin „Deutschland schafft sich ab“ veröffentlichte, haben die Medien schon Wochen vorher großen Wirbel darum gemacht.

Natürlich passiert das nicht in einer Art Verschwörung, die ein paar Menschen sich ausdenken und einen perfekten Plan ausarbeiten. Die kapitalistische Ordnung stützt sich vielmehr auf verschiedene Unterdrückungsverhältnisse. Struktureller Rassismus ist eines davon. Rassismus ist tief in der Gesellschaft verankert, aber nicht nur in Form von rassistischem Gedankengut und Handlungen. Die Basis des Rassismus ist ein Machtverhältnis und die materiellen Umstände. Das erkennt man gut an der Funktion des Rassismus heute: Der Rassismus ist sehr nützlich für das kapitalistische System. Mit der speziellen Ausbeutung einer Gruppe von Menschen können Kapitalisten alle Löhne niedrig halten, um mehr Profit zu machen. Außerdem ist er eine Möglichkeit, um vom kapitalistischen Elend abzulenken und einen Sündenbock dafür zu finden. Besonders relevant ist auch die Spaltung der Arbeiter*innen. Wenn Kapitalist*innen weiße und schwarze Arbeiter*innen mit Rassismus spalten, dann profitieren nicht die weißen Arbeiter*innen, sondern die Kapitalist*innen. Rassismus bewirkt, dass Arbeiter*innen ihre gemeinsamen Interessen nicht wahrnehmen und sich in ihrer Masse nicht gegen die Kapitalisten zusammentun können. Gerade diese Funktion ist für den Kapitalismus unverzichtbar.

Wie bekämpfen wir Rassismus?

Rassismus kann also nicht individuell verstanden und überwunden werden. Wir müssen das Problem an der Wurzel angehen. Das heißt Kapitalismus bekämpfen und durch eine klassenlose Gesellschaft ersetzen. Weiße und Arbeiter*innen of Colour haben die gleichen Interessen, die eigene Ausbeutung abzuschaffen.

Das heißt aber nicht, dass wir rassistische Vorstellungen in den eigenen Reihen ignorieren oder entschuldigen könnten. Um wirklich gemeinsam kämpfen zu können, müssen wir unsere eigenen Denk- und Verhaltensmuster reflektieren und verinnerlichten Rassismus bekämpfen. BIPoC dürfen nicht bevormundet werden, sondern nehmen im Kampf gegen dieses System eine führende Rolle ein.

Also: Rassismus beenden heißt Kapitalismus zerschlagen. Lassen wir uns nicht spalten – sondern kämpfen wir gemeinsam gegen dieses System!