Gisele Picot, Collien Fernandes, Jane Doe, Paula Maier, Anna Liedtke. Namen, die vielen Frauen bekannt sein werden. Sie alle haben unterschiedliche Geschichten und doch eint sie eins: Sie haben das Schweigen gebrochen und damit der patriarchalen und sexualisierten Gewalt den Kampf angesagt.
Patriarchale Gewalt äußert sich allerdings nicht nur in großen, medial bekannten Fällen. Sie findet auch an den Orten statt, an denen wir viel Zeit verbringen – an Schulen und Unis. So wurde diesen August in Brandenburg eine 18-jährige Schülerin von ihrem Ex-Freund auf dem Schulgelände ermordet. Anfang des Jahres wurden außerdem die Fälle von zwei Erfurter Lehrern bekannt, die über Jahre hinweg drei Schülerinnen sexuell missbraucht haben. Patriarchale Gewalt ist also kein abstraktes Konzept, sondern trifft Frauen und Mädchen in jeder Lebenssituation.
Es drückt sich in sexistischen Kommentaren und Kleiderverordnungen, übergriffigen „Hilfestellungen“ im Sportunterricht bis hin zu heimlichen Beziehungen, die Lehrer mit Schülerinnen führen, unseren Unterrichtsinhalten oder eben patriarchaler Gewalt aus. Häufig ergeben sich aus diesen Situationen gar keine oder nur geringe Konsequenzen für die Täter. Denn das Patriarchat und patriarchale Gewalt helfen bei der Aufrechterhaltung eines Systems der Ungerechtigkeit, Gewalt und Unterdrückung.
Diese Erfahrungen zeigen uns, dass wir selbst auch an unseren Schulen aktiv gegen das Patriarchat kämpfen müssen. Im Kampf dagegen können wir uns nicht auf die Hilfe von Polizei, der Justiz und oft nicht mal auf die unserer Lehrer:innen verlassen. Denn kommt es überhaupt dazu, dass Betroffenen ernsthaft zugehört wird, bekommen Täter in der Regel nur lächerlich geringe Strafen für ihre Taten.
Abgesehen davon wird auch an der Kürzungspolitik der Bundesregierung deutlich, wie unwichtig die Sicherheit von Frauen für die Regierung ist. Während die Zahl der Gewalttaten steigt, fehlen rund 12.000 Plätze in Frauenhäusern und die Situation wird sich mit den neuen Haushaltsplänen der Regierung nur weiter verschärfen. Der Sozialabbau und Kürzungskurs der Regierung reißt den Gewaltschutz- und Beratungsstellen für Frauen und Mädchen den Boden unter den Füßen weg. Durch die Zusammenkürzung von Sozialhilfen wird die Pflege von Angehörigen und Kindern immer mehr zur Privatsache der eigenen Familie. Diese last fällt dann nicht selten uns Töchtern zu. Und wenn wir uns gegen diese Missstände wehren, wendet der Staat gezielt patriarchale Unterdrückung an, um uns zum Schweigen zu bringen und einzuschüchtern.
Lassen wir uns davon nicht einschüchtern! Nehmen wir den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November als Anlass, den Kampf gegen sexualisierte und patriarchale Gewalt auf die Straßen zu tragen!
Machen wir diesen Kampf auch zu einem Thema an unseren Schulen. Treten wir dafür ein, dass es der Kampf gegen patriarchale Gewalt auch in unseren Unterricht schafft und bereits in den Schulen ein Bewusstsein dafür geschaffen wird.
Schließen wir uns zusammen und kämpfen gemeinsam gegen patriarchale Gewalt!

