Website-Icon Internationale Jugend

Warum wir geschlechtsspezifische Repression nicht hinnehmen – und warum wir öffentlich darüber sprechen

Die folgende Erklärung entstand im Rahmen der Veröffentlichung der sexualisierten Gewalt, der geschlechtsspezifischen Repression gegen eine FKO-Genossin der Rojavadelegation Anfang 2026. Lest euch gerne sowohl die Erklärung zu dieser Gewalt durch:
https://internationale-jugend.de/2026/08/eure-gewalt-bricht-uns-nicht-unsere-koerper-unser-kampf/ (Hier findet ihr auch ein längeres Video mit der Erklärung)
Als auch den ausfühlichen Reisebericht:
https://internationale-jugend.de/2026/08/berxwedan-jiyan-e-ein-reisebericht-aus-rojava

Die Fragen, die uns bewegen, sind: Warum wendet der Staat geschlechtsspezifische Gewalt an? Was ist das überhaupt? Und warum ist es richtig und notwendig, dass wir nicht schweigen, sondern öffentlich darüber reden?

Um seine Macht zu sichern, greift der Staat auf verschiedene Mittel zurück. Dazu gehören Gesetze, Behörden, Schulen, Medien – also alles, was unser Denken und Verhalten prägt. Aber dazu gehören auch direkte Gewalt und Einschüchterung. Damit ist nicht nur körperliche Gewalt gemeint, sondern alles, was Menschen bedroht, kleinmacht oder zum Verstummen bringt. Das nennt man Repression.

Das Patriarchat – also die gesellschaftliche Herrschaft von Männern und die Unterdrückung von Frauen sowie trans und nichtbinären Personen – spielt dabei eine besondere Rolle. Dadurch entsteht nämlich geschlechtsspezifische Repression – also die Gewalt und Einschränkung die Menschen durch den Staat oder seine Organe wie die Polizei erleben, unterscheidet sich nach Geschlecht. Die Repression wird nicht zufällig eingesetzt, sondern dort, wo sie besonders wirksam ist – nämlich gegen diejenigen, die ohnehin schon benachteiligt sind.

Im Folgenden schauen wir uns die Situation in Deutschland genauer an. Es geht uns darum zu verstehen, welche Funktion patriarchale Verhältnisse für die bestehende Gesellschaft haben und warum geschlechtsspezifische Repression ein gezieltes Mittel sein kann, um politische Bewegungen (und ins besondere Aktivistinnen) zu schwächen und staatliche Herrschaft aufrechtzuerhalten.

Wie funktionieren Patriarchat und staatliche Herrschaft?

Das Patriarchat ist nicht nur in Köpfen verankert, sondern durchzieht die gesamte Gesellschaft – von der Arbeitswelt über die Familie bis hin zu staatlichen Institutionen. Jedes Unterdrückungsverhältnis wird durch viele Methoden aufrechterhalten: Manche wirken integrativ, das heißt, sie lassen Unterdrückung als normal oder sogar freiwillig erscheinen. Andere setzen auf offene Gewalt und Zwang.

Das gilt nicht nur für die Unterdrückung von Frauen, sondern für das gesamte System von Ausbeutung und Unterdrückung, das der deutsche Staat über Jahrzehnte ausgebaut hat, um seine Macht zu erhalten. Besonders der Imperialismus – also die wirtschaftliche und militärische Ausbeutung anderer Länder durch starke Staaten – hat viele scheinbar friedliche Methoden entwickelt, um Herrschaft abzusichern. Aber Gewalt und Repression spielen auch heute noch eine zentrale Rolle, sowohl bei der Aufrechterhaltung von Klassenunterschieden als auch bei der patriarchalen Unterdrückung.

Neben den integrativen Methoden, die Teil der Strategie der Herrschenden sind, gibt es also die direkte Repression. Alle Formen von Repression werden dabei ideologisch untermauert. Das heißt: Es wird ein Bild davon vermittelt, was angeblich normal, richtig oder notwendig ist. Damit wird es möglich, politische Bewegungen zu delegitimieren, abweichende Meinungen als gefährlich oder extrem abzustempeln, und sogar Aktivist:innen zu diffamieren oder politische Debatten einzuengen. Es wird eine Stimmung erzeugt, in der staatliche Härte als notwendig oder sogar moralisch gerechtfertigt erscheint.

Repression trifft nicht nur die betroffene Person, sondern wirkt immer auch nach außen – in die gesamte Bewegung. Es geht nicht nur darum, einen Menschen zu brechen, sondern eine ganze Bewegung einzuschüchtern. Deshalb gilt für uns: Ein Angriff auf eine:n ist ein Angriff auf uns alle! Und er muss entsprechend gemeinsam beantwortet werden.

Welche Funktion hat Repression?

Die Ziele staatlicher Repression lassen sich auf mehreren Ebenen betrachten.

Erstens richtet sie sich unmittelbar gegen die betroffene Person. Sie soll daran gehindert werden, ihre politische Arbeit fortzusetzen. Im besten Fall soll sie dazu gebracht werden, sich zurückzuziehen oder ihre politische Tätigkeit ganz aufzugeben. Es geht dabei nicht nur um die Behinderung der Arbeit, sondern auch darum, Selbstvertrauen, Handlungssicherheit und politische Motivation zu zerstören.

Zweitens richtet sich der Angriff gegen das Umfeld der betroffenen Person. Wenn Genoss:innen erleben, dass politische Arbeit mit Verhaftung, Überwachung, Gewalt oder anderen Konsequenzen beantwortet wird, kann das Angst und Unsicherheit erzeugen. Dadurch sollen nicht nur einzelne Menschen, sondern auch die Entwicklung von Organisationen und politischen Strukturen behindert werden.

Drittens richtet sich Repression gegen die politische Struktur als Ganzes. Durch Kriminalisierung, Diffamierung und gesellschaftliche Isolation soll ihre Anknüpfungsfähigkeit eingeschränkt werden. Wenn eine politische Bewegung erfolgreich als „gefährlich“ oder „extrem“ dargestellt wird, soll das Menschen davon abhalten, sich ihr anzuschließen oder mit ihr zusammenzuarbeiten.

Wir sehen also: Repression hat also immer eine individuelle und eine kollektive Dimension. Sie soll nicht nur einzelne Menschen brechen, sondern politische Organisierung erschweren und Widerstand insgesamt zurückdrängen. Umso wichtiger, dass wir zusammenhalten!

Warum trifft Repression Frauen, trans und nichtbinäre Personen besonders?

Frauen, trans und nichtbinäre Personen sind von Repression noch einmal auf besondere Weise betroffen. Geschlechtsspezifische Repression bewegt sich dabei häufig zwischen zwei scheinbaren Gegensätzen: Einerseits werden Frauen und ihre politischen Erfahrungen nicht ernst genommen, verharmlost oder unsichtbar gemacht. Andererseits werden politisch aktive Frauen gezielt dämonisiert, diffamiert oder als besonders gefährlich dargestellt. Es kommt zu diesem Widerspruch, weil aktive Frauen ein Widerspruch zu ihrer Rolle im Patriarchat darstellen – wir sollen still und zurückhaltend sein, sind es aber nicht!

Hinzu kommen Formen patriarchaler Gewalt. Dazu gehören psychische und körperliche Gewalt ebenso wie sexualisierte Gewalt. In der Realität bedeutet das für Frauen, trans- und nicht-binäre Personen unter anderem in polizeilichen Maßnahmen verbal erniedrigt zu werden, unnötige Nacktdurchsuchungen erleiden zu müssen und unter besonders schweren Umständen auch Folter und Vergewaltigung in Haft. Für trans und nicht-binäre Personen birgt Haft ebenfalls besondere Gefahren. Die Nichtanerkennung ihres Geschlechts führt immer wieder dazu führt dass sie in falschen Gefängnissen untergebracht werden. Im Fall von Maja T. wurde das Geschlecht aber auch genutzt um Isolationshaft zu rechtfertigen, angeblich zum Schutz. Solche Formen der Gewalt sind nicht zufällig, sondern knüpfen an gesellschaftlich vorhandene Macht- und Geschlechterverhältnisse an.

Repressionsbehörden wie die Polizei nutzen gesellschaftlichen Rollenbilder gezielt aus. Ein Angriff auf eine Frau zielt darauf ab, sie nicht nur politisch, sondern auch in ihrem Selbstverständnis zu brechen. Sexualisierte Gewalt kann dabei ein besonders wirksames Mittel sein, um Scham und Ohnmacht zu erzeugen.

Gleichzeitig wirkt geschlechtsspezifische Repression über die einzelne Person hinaus. Wenn Frauen erleben, dass politische Arbeit mit patriarchaler Gewalt beantwortet werden kann, entsteht eine zusätzliche Einschüchterung. Frauen sollen dadurch davon abgehalten werden, sich aktiv in politische Kämpfe einzubringen.

Repression kann so bestehende gesellschaftliche Spaltungslinien verstärken. Die ohnehin vorhandene Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wird genutzt, um politische Bewegungen weiter zu spalten.

Wie gehören Patriarchat und Kapitalismus zusammen?

Damit wird deutlich, dass Repression und Patriarchat nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können. Beide tragen zur Stabilisierung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse bei.

Das Patriarchat ist eng mit dem Kapitalismus verbunden. Die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern, die besondere wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen und die ungleiche Verteilung von sogenannter Reproduktionsarbeit (pflegen, putzen, kochen, Haushalt etc.) sind Teil der wirtschaftlichen Grundlage dieser Gesellschaftsform.

Gleichzeitig erfüllt die patriarchale Spaltung eine andere Funktion. Eine Gesellschaft, in der Menschen entlang von Geschlecht, Herkunft oder anderen Merkmalen voneinander getrennt werden, erschwert einen gemeinsamen Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

Die Herrschenden profitieren von solchen Spaltungen. Wenn die Arbeiter:innenklasse nicht als gemeinsame politische Kraft handelt, sondern voneinander getrennt wird, wird ein gemeinsamer Kampf gegen die bestehenden Verhältnisse erschwert.

Deshalb ist das Patriarchat nicht lediglich ein gesellschaftliches Nebenproblem des Kapitalismus. Es ist mit den bestehenden wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen verwoben und wird durch sie immer wieder reproduziert.

Repression erfüllt in diesem Zusammenhang eine doppelte Funktion: Sie kann patriarchale Verhältnisse als Mittel nutzen, um politische Gegner:innen anzugreifen, und gleichzeitig dazu beitragen, patriarchale Verhältnisse selbst aufrechtzuerhalten.

Wie wollen wir damit umgehen?

Wenn wir geschlechtsspezifische Repression als politischen Angriff verstehen, müssen wir auch unseren Umgang damit politisch bestimmen. Es reicht nicht aus, einzelne Betroffene individuell zu unterstützen. Gleichzeitig darf eine politische Einordnung nicht dazu führen, dass die konkrete Person und ihre Bedürfnisse aus dem Blick geraten.

Der erste Schritt muss deshalb sein, Räume zu schaffen, in denen über solche Erfahrungen gesprochen werden kann. Betroffene brauchen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann, wie und mit wem sie über das Erlebte sprechen möchten. Sie brauchen eine gemeinsame politische Auseinandersetzung ebenso wie emotionale Unterstützung.

Dafür braucht es eine ehrliche und offene genossenschaftliche Beziehung innerhalb des Kollektivs. Vertrauen bedeutet nicht nur, dass Betroffene ihre Erfahrungen äußern können. Es bedeutet auch, dass alle Beteiligten die Möglichkeit haben, ihre Gedanken, Ängste und Unsicherheiten offen anzusprechen.

Gerade bei Erfahrungen von Gewalt und Repression können unterschiedliche Reaktionen entstehen. Manche Menschen reagieren mit Wut, andere mit Angst, Hilflosigkeit oder Rückzug. Es muss möglich sein, diese Reaktionen gemeinsam zu hinterfragen und zu verstehen. Woher kommen bestimmte Ängste? Warum fällt es uns manchmal schwer, mit bestimmten Berichten umzugehen? Welche Auswirkungen hat die Repression auf das gesamte Kollektiv?

Eine solche Auseinandersetzung ist notwendig, damit Repression nicht im Individuum verbleibt. Erst wenn Erfahrungen gemeinsam bearbeitbar werden, kann aus ihnen wieder politische Handlungsfähigkeit entstehen.

Warum ein offensiver öffentlicher Umgang?

Auch die Veröffentlichung von Erfahrungen mit geschlechtsspezifischer Repression ist ein wichtiger Teil des politischen Umgangs. Es darf jedoch niemals über den Kopf der betroffenen Person hinweg entschieden werden. Ob und in welcher Form eine Erfahrung öffentlich gemacht wird, muss grundsätzlich die Entscheidung der Betroffenen bleiben.

Die Aufgabe einer politischen Organisation besteht darin, die Voraussetzungen dafür zu schaffen: Sie muss die Betroffene unterstützen, ihr politische und praktische Ressourcen zur Verfügung stellen und gemeinsam Verantwortung für den Umgang mit dem Angriff übernehmen.

Wenn sich eine betroffene Person für Öffentlichkeit entscheidet, kann dies mehrere Funktionen erfüllen. Zum einen kann sichtbar gemacht werden, welche Formen staatliche Repression tatsächlich annimmt. Zum anderen kann die Erfahrung über die eigenen politischen Kontakte hinausgetragen werden. Es geht darum, in die Gesellschaft und insbesondere in die eigene Klasse zu vermitteln, dass der kapitalistische Staat keinen Schutz bedeutet.

Im Gegenteil: Wenn Menschen politisch gegen bestehende Verhältnisse kämpfen, nutzt der Staat die ihm zur Verfügung stehenden Mittel, um diesen Widerstand zu brechen.

Öffentlichkeit kann gleichzeitig auch für die Betroffene selbst ein Teil des Umgangs mit dem Erlebten sein. Sie kann dazu beitragen, die Scham zurückzuweisen und die Verantwortung für die Gewalt den Tätern zuzuweisen. Entscheidend ist dabei, dass die betroffene Person ihre Selbstbestimmung im Umgang mit dem Erlebten zurückgewinnen kann.

Warum wir patriarchaler Gewalt den Kampf ansagen!

Wenn wir von geschlechtsspezifischer Repression erfahren, darf dies keinen stillschweigenden Umgang hervorrufen. Es handelt sich um eine besondere Form des Angriffs auf politische Kräfte und insbesondere auf Frauen.

Darauf braucht es eine politische Antwort. Diese kann unterschiedliche Formen annehmen: konkrete Solidaritätsaktionen, Gespräche mit Menschen im eigenen Umfeld, Zusammenarbeit mit anderen Organisationen oder politische Kampagnen. Es kann dabei auch zum Ausgangspunkt werden, um über den konkreten Fall hinaus die Funktionsweise staatlicher und patriarchaler Gewalt sichtbar zu machen.

Dabei gilt: Patriarchaler Gewalt muss unabhängig davon der Kampf angesagt werden, von wem sie ausgeht – ob vom Staat, innerhalb der eigenen Klasse oder auch aus den eigenen Reihen.

Vom Erlebten zu Wut und Widerstand

Wir haben jetzt schon verstanden, dass Repression das Ziel hat, Widerstand zu brechen, Moral zu zerstören und Menschen handlungsunfähig zu machen. Gerade deshalb darf die Antwort darauf nicht in individueller Isolation bestehen.

Als Frauen müssen wir verstehen, dass patriarchale Unterdrückung und Gewalt nicht verschwinden werden, wenn wir ihre Überwindung nicht selbst in die Hand nehmen. Die Ohnmacht, die insbesondere nach sexualisierter Gewalt entstehen kann, müssen wir durch kollektive Solidarität auffangen und bewusst durchbrechen.

Das bedeutet nicht, dass Betroffene „stark sein“ oder ihre Erfahrungen sofort politisch überwinden müssen. Es bedeutet vielmehr, dass sie diese Erfahrungen nicht alleine tragen sollen. Es braucht ein Kollektiv, das auffängt, zuhört, unterstützt und gemeinsam nach Wegen sucht, wieder Handlungsmacht zu gewinnen.

Dabei müssen individuelle Erfahrungen in einen gemeinsamen politischen Zusammenhang gestellt werden. Frauen machen weltweit ähnliche Erfahrungen mit patriarchaler Gewalt. Diese Erfahrungen dürfen nicht ausschließlich als individuelle Schicksale verstanden werden. Sie zeigen uns die gesellschaftlichen Verhältnisse auf, die wir überwinden müssen.

Aus dieser Erkenntnis kann eine gemeinsame Stärke entstehen. Aus Ohnmacht kann Wut entstehen, aus Wut Widerstand und aus Widerstand eine Perspektive auf Befreiung. Diesen Weg gilt es zu gehen!

Was ist die Frauenrevolution?

Die Frauenrevolution muss ein elementarer Bestandteil des Kampfes für die sozialistische Revolution und für die vollständige Überwindung des Patriarchats sein. Auch das wollen wir erklären:

Die einfache Überwindung des Kapitalismus – als Beendigung der Grundlage der Ausbeutung und Unterdrückung in unserer Gesellschaft – würde nicht automatisch zur Befreiung der Frauen führen. Aber nach dieser Veränderung der wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnisse, gibt es bessere Bedingungen auch patriarchale Vorstellungen, gesellschaftliche Rollenbilder und bestehende Geschlechterverhältnissen den Gar aus zu machen – was aber eine aktive Aufgabe bleibt – wir nennen sie Frauenrevolution. Die Frauenbefreiung muss deshalb bewusst und eigenständig erkämpft werden. Sie muss Teil des revolutionären Kampfes sein und darf nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Aber: es geht nicht erst im Sozialismus los, sondern heute! Unsere Aufgabe besteht heute zum einen darin, für den Sozialismus zu kämpfen – denn er legt wie gesagt die ökonomische Grundlage um das Patriarchat abschaffen zu können. Sie liegt aber auch darinbereits heute eine konkrete Perspektive dafür zu entwickeln, wie Frauenbefreiung auch unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen organisiert und abgesichert werden kann.

Dazu braucht es eigenständige Strukturen, in denen Frauen reale Entscheidungsmacht besitzen. Frauengremien und Frauenräte können dabei eine wichtige Funktion übernehmen. Entscheidend ist, dass es auch konkrete Mechanismen gibt, die sicherstellen, dass die Frauenrevolution nicht gegenüber anderen politischen Aufgaben nachgeordnet wird.

Die Überwindung des Patriarchats darf kein Versprechen für später sein. Sie muss als eigenständiger Bestandteil unserer heutigen Arbeit verstanden werden.

Zusammenfassung: Wie wir uns wehren!

Wir haben gesehen: geschlechtsspezifische Repression ist kein zufälliger oder rein individueller Angriff. Sie steht im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und wird gezielt eingesetzt, um politische Organisierung zu schwächen, Frauen einzuschüchtern und patriarchale Verhältnisse aufrechtzuerhalten.

Wir können schlussfolgern, dass es deshalb eine Antwort braucht, die sowohl die konkrete betroffene Person als auch die gesellschaftlichen Ursachen in den Blick nimmt. Wir müssen Räume schaffen, in denen Erfahrungen ausgesprochen und gemeinsam verarbeitet werden können. Wir müssen Betroffene solidarisch unterstützen, ihnen die Entscheidung über Öffentlichkeit überlassen und staatliche sowie patriarchale Gewalt politisch benennen.

Vor allem aber dürfen wir uns nicht spalten und nicht einschüchtern lassen. Wenn Repression darauf abzielt, Menschen voneinander zu isolieren, müssen wir unsere Kollektive stärken. Wenn sie Scham erzeugen soll, müssen wir die Verantwortung zu den Tätern zurückgeben. Wenn sie Ohnmacht erzeugt, müssen wir Solidarität und gemeinsame Handlungsmacht entwickeln.

Die Antwort darauf ist gemeinsame Organisierung, internationale Solidarität und der entschlossene Kampf gegen jede Form patriarchaler und staatlicher Gewalt. Unser Ziel bleibt eine Gesellschaft, in der kein Mensch aufgrund seines Geschlechts, seiner Sexualität oder seiner Herkunft unterdrückt wird – und in der die Befreiung aller Geschlechter nicht nachgeordnet, sondern ein zentraler Bestandteil gesellschaftlicher Befreiung ist, um die Welt der Ausbeutung zu überwinden. Denn ein Angriff auf eine ist ein Angriff auf uns alle!

Die mobile Version verlassen