Bald kein Social Media mehr für alle Jugendlichen unter 16Jahren?! So stellen sich das zumindest SPD und CDU vor, grade erstere wollen hier „rasch handeln“. Die Begründung dafür sei der Schutz vor gefährlichen Inhalten, Cybermobbing und Sucht. Und wie genau soll das ganze aussehen? Eine Expertenkommission hat nun Vorschläge vorgelegt. Diese wollen die Verbotsgrenze auf 13 Jahre setzen. Eingeschränkt werden soll die Nutzung mancher Plattformen aber auch danach noch. Was die Altersgrenze angeht, so ist sich die Regierung noch nicht einig: Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig Holstein, findet 13 Jahre viel zu niedrig angesetzt, während seine Parteikollegin und Bundesfamilienministerin Karin Prien sich für den Vorschlag der Kommission und Einschränkungen bis zum 18ten Lebensjahr stark macht. Klar ist aber, dass es eine „nationale Strategie“ braucht, in der alle an einem Strang ziehen würden und es keine Verbotslücken gäbe. Außerdem will man sich auch für eine „europäische Lösung“ einsetzen.
Tatsächlich ist es auch so, dass in ganz Europa es in vielen Stataen Inititativen gibt, den Zugang zu Social Media einzuschränken. Auch in Großbritannien, Slowenien, Österreich und den skandinavischen Ländern wurden Verbote angekündigt. Frankreich, Portugal, Spanien und Italien diskutieren bereits über konkrete Gesetzesänderungen. Was alle eint ist eine Altersverbotsgrenze welche, je nach Land, zwischen 13 und 16 Jahren liegen soll.
- Was heißt das für uns?
Funktionieren tut das ganze nur mit einer verbindlichen Altersüberprüfungen. Das kann über die Bestätigung der Eltern durch eine Kontoverknüpfung geschehen wie es bspw. in Brasilien der Fall ist. Oder aber durch direkte Identitätsverifikation durch das Nachweisen des Ausweisen sowie zusätzlichen biometrischen Messungen und der Verwendung von künstlicher Intelligenz wie es in Australien gemacht wird.
Was als Schutzmaßnahme beginnt, schafft die technische Infrastruktur für flächendeckende Identifikation, Überwachung im Internet und später Kontrolle im Internet aller. Historisch zeigt sich: Einmal eingeführte Kontrollmechanismen werden kaum zurückgebaut, sondern schrittweise ausgeweitet bzw für andere Zwecke verwendet.
Unsere Daten, Identitäten und Aktivitäten sind dann nicht nur bei privaten Großkonzernen gespeichert, sondern werden auch von staatlicher Ebene kontrolliert und beide können damit machen was sie wollen, ohne unser Mitspracherecht. Das ist nicht der einzige Angriff auf unsere Datenschutzrechte. In den letzen Jahren wurde Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, das einsetzen von KI-Überwachungssoftwares und Befugnisse der Polizei unter dem Deckmantel von „mehr Sicherheit“ eingeführt.en Inhalten, dass Jugendliche technische Hürden mit VPNs oder ausländische Identitäten mühelos umgehen können. Auch dass so ein Verbot gegen Social Media Suchtübersieht, dass Maßnahmen wie Aufklärung oder Werbebeschränkungen weitaus wirksamer wären, aber keine Kontrollinfrastruktur erfordern.
Und genau das fordern ja auch Jugendliche hier in Deutschland. Viel effizienter als ein Verbot wäre eben eine flächendeckende Aufklärung und Erlernung einer richtigen Medienkompetenz bspw. durch die Einführung von Umgang mit Social Media als Unterrrichtsinhalt. Und letztlich sollten nicht wir zur Rechenschaft gezogen werden, sondern eben jene Großkonzerne, welche von unsere Sucht profitieren und damit Geld machen wenn wir 24/7 am Handy sind. Wenn es bei Social Media Apps inzwischen mehr um Gewinnmaximierung als „Social“ geht, dann löst ein Verbot auch nicht das Kern des Problems.
- Social Media „nur schlecht“?
Bei all den negativen Auswirkungen dürfen wir nicht vergessen das soziale Medien für viele Jugendliche ein Ort ist, wo sie zum ersten mal über den Tellerrand hinausblicken können, über die aktuelle politische Lage informiert bleiben und sich mit Gleichgesinnten vernetzen. So ist gerade für LGBTI+ Jugendliche Social Media oft der erste, und je nach Wohnsituation auch der einzige Ort, wo man sich austauschen und vernetzen kann. Diese einfache Möglichkeit in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen gehört soweiso für alle Jugendlichen inzwischen zum Alltag dazu.
Und auch das Teilen von politischen Ereignissen und Aktionen führt immer wieder dazu dass, besonders unter uns Jugendlichen, große Protestbewegungen losgebrochen sind. So startete FFF mit einem Instapost von Greta Thunberg, so wurde die BlackLifesMatter Bewegung vor allem durch das teilen des Videos von Georg Floyds Ermordung und den darauffolgenden Protesten international so groß und so startete auch die Schulstreikbewegung hier in Deutschland, welche tausende Jugendliche gegen die Wehrpflicht auf die Straße brachte, mit einem einfachen Post auf Instagram.
Wir sehen also das ein Social Media Verbot, so wie es derzeit geplant ist, dazu führen würde das wir als Jugendliche mehr aus dem gesellschaftlichen und politischen Leben ausgeschlossen werden würden, anstatt dieses mit zu prägen. Und auch der Kern der Probleme wie eben eine Sucht oder Konsum von gefährdenden Inhalten wäre damit von der falschen Seite angegangen und eher den Ausbau einer Kontrollstruktur fördern als einen guten Umgang mit sozialen Netzwerken. Deswegen stellen wir uns entschieden dagegen! Gegen Überwachung und Kontrollen!

