Patriarchale Gewalt bekämpfen! – in den Köpfen und auf der Straße!

Ein Drittel der jungen Männer in Deutschland finden körperliche Gewalt im Streit mit Frauen legitim

Eine kürzlich veröffentlichte Umfrage der NGO „Plan International“ stellt die Denkweisen junger Männer zwischen 18 und 35 Jahren in Bezug auf patriarchale Verhaltensweisen und Rollenbilder dar. Die bürgerlichen Medien griffen die vermeintliche Studie schnell auf und zeigten sich empört über die Ergebnisse. Viele Onlinezeitungen überarbeiteten ihre Artikel aber nach kurzer Zeit, da bei genauerer Betrachtung der Umfrage deutlich wurde, dass die Methodik aufgrund der Fragestellungen und Durchführung etwas zweifelhaft war.

Von Rollenbildern bis zu legitimierter Gewalt

Die Zahlen, die dargestellt werden, sind zwar schockierend, überraschen uns aber nicht. Noch immer legitimieren knapp die Hälfte der Befragten Gewalt im Streit, etwas mehr als die Hälfte erwartet, dass die Partnerin ihre Ansprüche für die Interessen des Partners zurückstellen solle.

Auch auf Auftreten und Äußerlichkeiten wird in der Umfrage eingegangen. Dort zeigt sich, wie das gesellschaftlich vermittelte Rollenbild vorherrschend ist. „Aufreizendes Verhalten“ wird als Aufforderung verstanden, etwas weniger als die Hälfte empfindet es als ihr gutes Recht Frauen auf der Straße hinterher zu pfeifen, während öffentliches Auftreten schwuler Männer als „störend“ eingestuft wird.

Auch wenn die Darstellung deutlich macht, wie tief viele patriarchale Gedanken noch sitzen, fehlt trotzdem jegliche Einordnung in dieser Studie. So wird in der Berichterstattung nirgendwo definiert, was denn patriarchale Gewalt ist und erst recht nicht, wie wir diese konsequent bekämpfen können.

Was ist patriarchale Gewalt?

Ein „Schubsen im Streit“ wird oft gar nicht als patriarchale Gewalt wahrgenommen und stattdessen heruntergespielt. Neben physischer Gewalt gibt es auch große psychische Gewalt, der Frauen tagtäglich ausgesetzt sind. Diese hinterlässt zwar keine sichtbaren Spuren wie blaue Flecken, doch sie ist genau so Teil des Systems.

Patriarchale Gewalt findet zwar größtenteils, aber nicht nur innerhalb der Beziehung oder der Familie statt. Auch in Institutionen wie der Kirche oder in Kinderheimen und Frauenhäusern sind Frauen teils individueller, teils systematischer Gewalt ausgesetzt. Insgesamt üben wohl weit mehr Männer patriarchale Gewalt aus, als aus dieser Umfrage deutlich wird.

Dazu kommt, dass nur ein kleiner Teil der Frauen patriarchale Gewalt zur Anzeige bringt oder sich Hilfe sucht, um dieser zu entkommen – oft aus Angst davor nur noch stärkere Gewalt durch den Täter zu erfahren. Auch bei sexualisierter Gewalt kommt nur ein Bruchteil zur Anzeige. Denn wie sich auch beim aktuellen Fall rund um den Rammstein-Sänger Till Lindemann zeigt, wird Opfern nur selten geglaubt. Auch Frauen stellen sich dabei teils auf die Seite von Tätern und unterwerfen sich scheinbar freiwillig dem Patriarchat.

In den Diskussionen rund um die Studie wurde außerdem schnell versucht patriarchale Gewalt als ein Problem von Migrant:innen darzustellen, da der Anteil derjenigen, die Gewalt gegen Frauen legitimieren, dem Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund entsprechen würde. Daneben, dass die Zahlen sowieso nicht übereinstimmen, sind solche Vergleiche sinnlos, denn der Anteil an Menschen die nicht in Städten leben ist in etwa genau so hoch oder etwa diejenigen, die bei der letzten Bundestagswahl die SPD gewählt haben.

So kämpfen wir gegen das Patriarchat

Laut der Studie fordert jede vierte Frau von Männern den Verzicht auf „(Macht-)Privilegien“, um Gleichberechtigung zu erreichen. Und vier von fünf Frauen haben deutlich höhere Ansprüche an Männer bezüglich ihres Verhaltens als diese selbst. Aber wird so das Patriarchat besiegt?

All die angesprochenen Aspekte, wie patriarchale Gewalt oder die Arbeitsteilung nach Geschlecht, nutzen dem kapitalistischen System. Die unbezahlte Reproduktionsarbeit, die hauptsächlich von Frauen ausgeführt wird, sichert den Konzernchefs höhere Profite. Und besonders in Kriegszeiten ist die Erziehung von Kindern und die Ernährung der Familie eine wichtige Aufgabe von Frauen in der bürgerlichen Kleinfamilie.

Und somit wird das Patriarchat in diesem System auch nicht verschwinden. Um die Grundlage für die Überwindung des Patriarchats zu schaffen, müssen wir also für ein System kämpfen, in dem die Reproduktionsarbeit vergesellschaftet wird und nicht mehr im Privaten stattfindet. Denn erst dann kann eine Grundlage gelegt werden um auch die oft frauenfeindlichen Bilder, die bei vielen Menschen vorherrschen, ganzheitlich zu bekämpfen.

Trotzdem müssen wir auch heute schon patriarchale Verhaltensweisen offen kritisieren und bei patriarchaler Gewalt den Opfern glauben und konsequent gegen Täter vorgehen. Und das sowohl in unseren eigenen Reihen, als auch an den Orten, an denen wir aktiv sind: In der Schule und Uni, im Betrieb und im Viertel.